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Die Grabräuber von Theben

Historischer Roman aus dem alten Ägypten

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783862820573
Sprache: Deutsch
Umfang: 248 S.
Format (T/L/B): 1.7 x 20.5 x 14.6 cm
Einband: kartoniertes Buch

Beschreibung

Im 16. Regierungsjahr des Pharao Ramses IX. werden im Tal der Könige Pharaonengräber geplündert. Schnell findet sich ein Verdächtiger: der einfache Steinhauer Amenpanufer wird von der Medjaiwache gestellt, die Beute aus den Gräbern bei einem stadtbekannten Hehler gefunden. Der Fall scheint geklärt, und doch bleibt Pa-Ser, Bürgermeister von Theben-Ost, skeptisch. Handelte Amenpanufer im Alleingang? Als der Schreiber der Grabstätten seine Arbeiter ebenfalls des Grabraubes verdächtigt, wird Pa-Ser klar, dass er die Ausmaße der Grabraube völlig unterschätzt hat. Ist etwa Paveru, der Herr der Gräber, selbst in diese Verbrechen verwickelt? Nach und nach werden die Machenschaften der Grabräuber aufgedeckt, doch die Verwicklungen der Mächtigen Thebens in das lukrative Geschäft sind schwer zu beweisen. Zahlreiche Intrigen machen die Aufklärung der Diebstähle nahezu unmöglich, und doch müssen Schuldige bestraft werden. Am Ende gibt es ein Opfer. Und einen Sieger: die Gier.

Autorenportrait

Johann Peters wurde 1984 in Arnsberg geboren. Nach Abschluss des Fachabiturs absolvierte er eine Ausbildung bei einer Kommunalverwaltung im öffentlichen Dienst. Heute lebt er mit Ehefrau und Kind in einer kleinen Stadt am Rande des Ruhrgebietes. Bisherige Veröffentlichungen: Der historische Roman "Der Löwe von Babylon" und eine im Internet erscheinende Piratenserie unter dem Titel "Jack Lloyd - Im Auftrag Ihrer Majestät" (www.geisterspiegel.de)

Leseprobe

Abend des 10. Tages des dritten Monats im 16. Regierungsjahr Ramses IX. Paveru stand allein auf der großen Terrasse, von der aus er einen schönen Blick über den Teich, den die Arbeiter schon vor Jahren für ihn angelegt hatten, genießen konnte. Die Nacht war angenehm mild und der Mond spiegelte sich auf der Wasseroberfläche. Achet, die Zeit der Nilschwemme und der großen Hitze des Sommers, war schon fortgeschritten und Peret, die Zeit der Aussaat, näherte sich mit großen Schritten. Die Überschwemmung war in diesem Jahr endlich wieder einmal ausreichend gewesen, sodass die Bauern der Ernte mit gutem Gefühl entgegensehen konnten. Noch immer führte der Nil eine Menge Wasser mit sich, auch wenn er bereits wieder in sein angestammtes Flussbett zurückgekehrt war. Doch über die Ernte machte Paveru sich keine Gedanken. Mit den Feldern der Lebenden hatte er wenig zu tun. Sein Hauptaugenmerk galt den Feldern, die von den Toten bewohnt wurden. Langsam verließ Paveru die Terrasse und ging in den Garten hinab. Einzelne Fruchtbäume standen hier weit verstreut. Die Villa, die er hier draußen etwas außerhalb von Theben am Westufer des Nil bewohnte, war sehr großzügig gebaut. Passend dazu war der Gartenbereich eher wie ein Park angelegt. Er führte ein gutes Leben, eigentlich. Die Ärzte machten ihm gelegentlich Vorhaltungen wegen seiner extremen Körperfülle. Sie sagten, der runde Bauch und das viele Fett rund um das Kinn wären nicht gut für seine Organe. Aber er aß einfach zu gern, als dass er seine Figur dem anpassen könnte, was die Ärzte für gesund hielten. Außerdem brauchte er keinen Wert auf Schönheitsideale zu legen. Wenn er eine Frau haben wollte, bekam er sie auch. Der Mann, den er um diese späte Stunde hier draußen erwartete, achtete seit Jahren auf äußerste Diskretion. Ein wichtiger Umstand, wenn man bedachte, welche Feinde er sich in Theben schaffen könnte, wenn man von ihren regelmäßigen Treffen erführe. Trotzdem hätte er sich eine menschenwürdigere Zeit aussuchen können, dachte Paveru, während er unter einer Palme stehen blieb. Paveru musste nicht lange warten, bis sich ein Schatten von einem der anderen Bäume löste. Der rundliche Mann sah dem Schatten gelassen entgegen. Sein Gast trug einen weiten Umhang und eine Kapuze, die er sich tief ins Gesicht gezogen hatte. Paveru musste grinsen bei dem Gedanken daran, dass sein Informant jedem, der ihm so in der Stadt begegnete, sofort verdächtig vorgekommen wäre. Aber der hochgewachsene Mann liebte derartige Maskeraden, sie hatten für ihn einen Hauch von Abenteuer. Der Schatten war mittlerweile so nah herangekommen, dass sie sich flüsternd verständigen konnten. "Warum heute Nacht, zu dieser Stunde?", fragte Paveru, noch immer erbost darüber, um seinen Schlaf gebracht worden zu sein. "Ich habe wichtige Informationen für dich. Du solltest dir anhören, was ich zu sagen habe", antwortete sein Gesprächspartner gleichmütig. "Habe ich das je nicht getan?" Der Gast schwieg für einen Moment. Diese beiden Männer verband keine Freundschaft, es war mehr ein gemeinsames Geschäftsinteresse, das sie zusammenschweißte. Aber jeder von ihnen wusste, dass er sich auf den anderen verlassen konnte. "Also, was hast du mir zu sagen?", fragte Paveru, bemüht seine Stimme nicht allzu gereizt klingen zu lassen. "Es wird morgen passieren. In den Nachmittagsstunden. Du solltest ihnen zuvorkommen, wenn du deinen Plan durchführen möchtest", erklärte Paverus Besucher eindringlich. "Ich werde ihn durchführen", murmelte Paveru bestimmt. "Dann sorge dafür, dass bis zu dem Zeitpunkt, da Re am höchsten steht, die Arbeit getan ist. Sonst wird uns einiges entgehen", entgegnete sein Gast. "Und du bist dir sicher, dass er der Richtige ist?", fragte Paveru nicht zum ersten Mal, seitdem sie diesen Plan gefasst hatten. "Er ist der Kopf des Ganzen", bestätigte sein Gegenüber. Paveru nickte gemächlich. Er dachte nach. Die Entwicklung kam schneller als er gedacht hatte, aber wirklich überrascht war er trotzdem nicht.